Modernes Network Marketing

Vorweg, ich gestehe, ich mag das Wort nicht und MLM noch weniger. Randy Gage, seines Zeichens einer der Gurus der Szene, mag es auch nicht (mehr). Zu zweit sind wir schon eine Gruppe, ein Netzwerk eben. Trotzdem existiert es und wird allgemein verwendet. Worum es geht, ist vielleicht so zu erklären: Konsumenten-basiertes Vertriebsnetzwerk über das Internet. Das bedeutet im Klartext, 1. dass Produkte vertrieben werden müssen, 2. dass dieser Job von Konsumenten erledigt wird, 3. dass sich die Sache zu einem erheblichen Teil im Internet abspielt.

Weshalb modern? Weil früher alles anders war. Top-Network-Firmen liefern heute ihre Produkte mittels Paketdienst direkt aus, betreiben Webshops, in denen ihre Produkte exklusiv verkauft und bezahlt werden. Mit anderen Worten, das Geschäft ist im Internet gelandet und als Geschäftspartner ist man in die Rolle des Influencers und Beraters geschlüpft, der (die) den eigentlichen Verkauf selbst gar nicht mehr abwickelt und weil das World Wide Web grenzenlos ist, ist es heutzutage auch das Geschäft. Modern eben.

MULTILEVEL MARKETING FIRMEN GIBT ES HEUTE TAUSENDE

Es gibt sie wie Sand am Meer und es herrscht ein Kommen und Gehen. Die Ursprünge der Branche gehen weit zurück in das vorige Jahrhundert. Gemeinhin gilt die Geschichte von Nutrilite-Gründer Carl Rehnborg und die Entwicklung eines Vertriebskonzepts durch die Marketingberater Myrtinger & Casselberry als Initialpunkt. In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Vitaminprodukte zu verkaufen, war keine einfache Sache. 1959 entstand aus der gemeinsamen Initiative von zwei der tüchtigsten Nutrilite-Verkäufer die wahrscheinlich erste und heute weltgrößte Direktvertriebsfirma auf Basis dieses neuartigen Vertriebssystems (nach Direct Selling News).

Was folgte war eine Art Goldrausch, denn viele andere Unternehmen witterten eine Chance und versuchten mit mehr oder weniger Glück und Anständigkeit, die Idee auf ihre Art zu adaptieren. Es entwickelte sich mit den Jahren eine globale Branche, die heute geschätzt 200 bis 250 Mrd. US-$ Umsatz schreibt. Versuche, diese zu benennen, führten zu Namen wie Network Marketing, Multilevel Marketing - kurz MLM - und anderen mehr oder weniger tauglichen Konstruktionen.

PASSIVES EINKOMMEN DURCH MLM?

Die Krux im Multi Level Marketing ist, dass in den letzten drei, vier Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts viel Vertrauen verspielt worden ist.  Daran sind sowohl unseriöse Unternehmen schuld wie auch Geschäftspartner, die mit unseriösen Aussagen ihr Unternehmen und die ganze Branche in ein schiefes Licht rückten. Die Inhaber und Geschäftsführer der MLM-Firmen hatten damals mangels technischer Möglichkeiten gar keine Chance, Aussagen ihrer Geschäftspartner zu kontrollieren, waren aber auf diese Leute angewiesen, denn nur über Geschäftspartner läuft der Verkauf. Keine Niederlassungen, keine Filialen - so will es das System im Network Marketing. 

Mit dem  Internet hat sich das zu ändern begonnen und ich halte das für den Rettungsanker der Branche. Die seriösen Firmen haben das Internet früh genutzt, um ihre Kommunikation auf Schiene zu bringen und wegzukommen vom Stille-Post-System. Dank Internet können die MLM-Firmen heute jedem, auch jedem neuen Mitglied das Grundwissen zur Firma, zu den Produkten, zur Honorierung und zu den No Go's ohne zwischengeschaltete Filter direkt weitergeben. 

 

Die Justiz ist wachsam.

Aussagen zu Verdienstmöglichkeiten sind seither konkreter und überprüfbarer geworden. Das ist auch ein Verdienst der Rechtsprechung, die vor allem in den USA die Branche streng kontrolliert. Seriöse Firmen untersagen ihren Geschäftspartnern bestimmte Aussagen, dazu gehört auch der Begriff "passives Einkommen".  Heißt das, dass es kein passives Einkommen im MLM gibt?

Nun, passives Einkommen ist nach meinem Verständnis ein Einkommen, das Dir ohne dein Zutun zufließt. Typisches Beispiel: Als Erbe (Sohn, Tochter) eines Industrieunternehmens in Familieneigentum besitzt man Anteile am Unternehmen, ist jedoch von der Mitarbeit ausgeschlossen (alle wissen, dass die Mitarbeit unfähiger Personen das Unternehmen ruinieren könnte). Das aufgrund der Anteile trotzdem zufließende Geld nennt man passives Einkommen.

 

Verdienst-Aussagen müssen belegbar sein.

Im Network Marketing kann man ein weitgehend oder gänzlich arbeitsfreies Einkommen beziehen, das aus Provisionen einer größeren Geschäftspartnergruppe resultiert, die man selbst irgendwann einmal mit eigener Arbeit geschaffen hat (oder, eleganter, geerbt hat). Dieses Einkommen kann ein passives Einkommen sein, was voraussetzt, dass die Gruppe groß genug ist, richtig viel Umsatz macht und über gute Führungskräfte verfügt. Wenn die Gruppe (der Umsatz) mangels Engagement nicht mehr wächst, wird irgendwann das Einkommen rückläufig sein. Deshalb muss man im Network mit Verdienstaussagen sehr vorsichtig umgehen. Tut ein Geschäftspartner dies nicht, dann sollten die Alarmglocken läuten! Seriöse Leute belegen Aussagen über die Verdienstmöglichkeiten mit Dokumenten ihrer Firma, die die tatsächlichen Provisionszahlungen aufschlüsseln.

 

Network als zusätzliche Säule der finanziellen Lebensplanung.

Fix ist: Solange im Network Marketing Umsatz gemacht wird und einem Geschäftspartner oder seinen/ihren Erben nach dem Provisionsplan des Unternehmens Vergütungen zustehen, wird Geld zufließen. Ein großes MLM-Geschäft ist deshalb hervorragend geeignet um als Enddreißiger oder Vierziger aus dem normalen Arbeitsleben auszusteigen,  als eigene Altersvorsorge und als Vorsorge für eigene Kinder oder Enkelkinder insbesondere dann, wenn den Sprösslingen in Hinblick auf die Vorzüge des Geschäftsmodells die Augen aufgehen. Kinder durchleben schließlich auch Phasen, in denen alles, was die Eltern machen, in Frage gestellt oder abgelehnt wird. Ein großes Network-Geschäft hält es allerdings aus, wenn sich die nächste Generation Zeit lässt und erst einmal eigene Berufserfahrung in anderen Branchen sammelt.

Ein großes Geschäft ist breit und tief aufgebaut, steht auf vielen Beinen und hat mehrere großartige, engagierte Leute im System, die es durch dieses Geschäft zu Wohlstand gebracht haben. Wer das aufbaut, hat seine Leistung erbracht und kann Provisionen auch dann erhalten, wenn man sich zu 100 Prozent zurückzieht. Das ist echtes passives Einkommen.

Ob und ab welchem Zeitpunkt man das finanzielle Ergebnis des Ganzen passives Einkommen nennt oder als normales Unternehmens- oder Geschäftseinkommen bezeichnet, halte ich für eine obsolete Frage. Wer sein Geschäft liebt, wird gerne und solange es die Gesundheit erlaubt, bis ins hohe Alter darin arbeiten und selbst für ein passives Einkommen gerne aktiv Arbeit leisten. Wer es nicht liebt, wird es gar nicht in diese Situation schaffen.